Fliesen auf nicht tragfähigem Untergrund
Welche Prüfungen vor dem ersten Kleber nötig sind und was bei altem Estrich hilft.
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Eine Fliese ist dicht, eine Fuge nicht. Ob ein Bad trocken bleibt, entscheidet die Schicht darunter. Seit Juli 2017 steht in der DIN 18534, wie diese Schicht auszusehen hat.
Wenn uns jemand wegen eines Wasserschadens im Bad ruft, liegt die Ursache fast nie an der Fliese. Sie liegt darunter. Deshalb lohnt es sich, einmal zu verstehen, was zwischen Estrich und Belag passiert und warum dieser Teil der Arbeit im Angebot steht, obwohl man ihn später nie wieder sieht.
Feinsteinzeug nimmt praktisch kein Wasser auf. Die Zementfuge dazwischen schon. Sie ist kein Fehler, sondern Teil des Systems: Sie nimmt Spannungen auf und lässt den Belag arbeiten. Wasser wandert über genau diese Fugen, über Innenecken, über den Übergang zur Wanne und über jede Rohrdurchführung nach unten.
Darunter liegt die Abdichtung im Verbund, im Handwerk kurz Verbundabdichtung genannt. Das ist eine flüssig aufgetragene Dichtmasse oder eine Bahn, die unmittelbar unter dem Fliesenkleber liegt und mit ihm verbunden ist. Sie hält das Wasser auf, bevor es Estrich, Dämmung oder Holzbalken erreicht.
Die Norm heißt „Abdichtung von Innenräumen“ und gilt seit Juli 2017. Sie gehört zu der Normenreihe, die für Innenräume an die Stelle der alten DIN 18195 getreten ist. Statt der früheren Beanspruchungsklassen aus dem Merkblatt des Fachverbands arbeitet sie mit Wassereinwirkungsklassen.
Der Gedanke dahinter ist einfach: Nicht jede Fläche im Bad wird gleich nass. Für jede Wand und jeden Boden wird vorher eingeschätzt, wie viel Wasser dort ankommt. Aus dieser Einstufung folgt, welcher Untergrund zulässig ist, welches Abdichtungssystem eingesetzt werden darf und wie die Anschlüsse ausgeführt werden. Die Klassen tragen den Zusatz „I“ für Innenräume, und die Norm deckt Flächen mit einer Wasseranstauhöhe bis zehn Zentimeter ab.
Die Einstufung gehört in die Planung und nicht ins Bauchgefühl. Wir legen sie beim Aufmaß mit Ihnen fest, weil daran zwei Entscheidungen hängen: Ab W2-I ist ein feuchteunempfindlicher Untergrund gefordert, also zum Beispiel Beton, Zementestrich oder eine zementgebundene Bauplatte. Gipsgebundene Platten sind dort nicht zulässig. Und das Abdichtungssystem muss für die jeweilige Klasse geprüft sein.
Wir werden regelmäßig zu Bädern gerufen, die andere gebaut haben. Diese fünf Punkte kommen immer wieder:
Keiner dieser Fehler ist spektakulär. Teuer werden sie, weil der Schaden erst Jahre später sichtbar wird, und dann nicht an der Stelle, an der er entstanden ist.
Als Laie können Sie die fertige Fläche nicht mehr beurteilen. Vorher schon:
Kurz gesagt
Die Abdichtung ist die einzige Schicht im Bad, die sich später nicht mehr prüfen lässt, ohne sie zu zerstören. Gemessen am Gesamtpreis kostet sie wenig. Sie entscheidet aber darüber, ob alles darüber dauerhaft hält.
Grundlagen dieses Beitrags: DIN 18534 „Abdichtung von Innenräumen“, Ausgabe Juli 2017 (Beuth Verlag), die Merkblätter des Fachverbands Fliesen und Naturstein zur Abdichtung im Verbund sowie die Systemangaben der von uns eingesetzten Hersteller. Welche Klasse und welches System für Ihr Bad gelten, legen wir im Aufmaß fest.
Nicht ohne Rückbau. Die Abdichtung liegt unter dem Belag, also muss der Belag im betroffenen Bereich herunter. Bei einer Dusche ist das oft die ganze Nasszelle, weil die Anschlüsse rundherum mitgemacht werden müssen.
Deshalb ist der Zeitpunkt entscheidend: Beim Umbau kostet die Abdichtung einen Bruchteil. Nachträglich kostet sie den halben Raum.
Das hängt an der Einstufung der Flächen. In einem Raum mit bodengleicher Dusche wird üblicherweise der gesamte Boden der höheren Klasse zugeordnet, nicht nur das Feld unter der Brause. Wände außerhalb des Duschbereichs können dagegen in einer niedrigeren Klasse liegen.
Wir gehen die Flächen beim Aufmaß einzeln durch und halten im Angebot fest, was wie ausgeführt wird.
Auch dort gibt es Flächen mit Spritzwasser, etwa hinter dem Waschtisch. Die Anforderungen sind niedriger als in einer Dusche, aber „gar nichts“ ist selten richtig. Im Zweifel sehen wir uns den Raum an und sagen Ihnen, was nötig ist und was nicht.
Vorgefertigte Elemente können gut funktionieren, wenn sie zum System passen und nach Herstellervorgabe eingebaut werden. Entscheidend bleiben die Anschlüsse: der Übergang zum Boden, die Durchführung des Ablaufs und die Verbindung zur Wandabdichtung.
Die meisten Schäden, die wir sehen, entstehen nicht im Element selbst, sondern an seinem Rand.
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