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Fertiges Bad unter der Dachschräge mit Waschtisch, beleuchtetem Spiegel und großformatigen Wandfliesen

Abdichtung im Bad: Was die DIN 18534 unter den Fliesen verlangt

Eine Fliese ist dicht, eine Fuge nicht. Ob ein Bad trocken bleibt, entscheidet die Schicht darunter. Seit Juli 2017 steht in der DIN 18534, wie diese Schicht auszusehen hat.

Stephen Meßing, Fliesenlegermeister17. Oktober 20267 Minuten Lesezeit

Wenn uns jemand wegen eines Wasserschadens im Bad ruft, liegt die Ursache fast nie an der Fliese. Sie liegt darunter. Deshalb lohnt es sich, einmal zu verstehen, was zwischen Estrich und Belag passiert und warum dieser Teil der Arbeit im Angebot steht, obwohl man ihn später nie wieder sieht.

01Warum die Fliese allein nichts abdichtet

Feinsteinzeug nimmt praktisch kein Wasser auf. Die Zementfuge dazwischen schon. Sie ist kein Fehler, sondern Teil des Systems: Sie nimmt Spannungen auf und lässt den Belag arbeiten. Wasser wandert über genau diese Fugen, über Innenecken, über den Übergang zur Wanne und über jede Rohrdurchführung nach unten.

Darunter liegt die Abdichtung im Verbund, im Handwerk kurz Verbundabdichtung genannt. Das ist eine flüssig aufgetragene Dichtmasse oder eine Bahn, die unmittelbar unter dem Fliesenkleber liegt und mit ihm verbunden ist. Sie hält das Wasser auf, bevor es Estrich, Dämmung oder Holzbalken erreicht.

Badezimmerboden mit verklebter Abdichtungsbahn und eingearbeiteten Dichtbändern an allen Anschlüssen
So sieht die Schicht aus, die später niemand mehr sieht: Abdichtung auf dem Boden, Dichtbänder in allen Anschlüssen.
Bad in der Sanierung: Dichtbänder liegen in allen Boden- und Wandanschlüssen, bevor die Fläche abgedichtet wird
Eigene Baustelle im Bestand: Zuerst liegen die Bänder in allen Anschlüssen, danach wird die Fläche geschlossen.

02Was die DIN 18534 regelt

Die Norm heißt „Abdichtung von Innenräumen“ und gilt seit Juli 2017. Sie gehört zu der Normenreihe, die für Innenräume an die Stelle der alten DIN 18195 getreten ist. Statt der früheren Beanspruchungsklassen aus dem Merkblatt des Fachverbands arbeitet sie mit Wassereinwirkungsklassen.

Der Gedanke dahinter ist einfach: Nicht jede Fläche im Bad wird gleich nass. Für jede Wand und jeden Boden wird vorher eingeschätzt, wie viel Wasser dort ankommt. Aus dieser Einstufung folgt, welcher Untergrund zulässig ist, welches Abdichtungssystem eingesetzt werden darf und wie die Anschlüsse ausgeführt werden. Die Klassen tragen den Zusatz „I“ für Innenräume, und die Norm deckt Flächen mit einer Wasseranstauhöhe bis zehn Zentimeter ab.

Die Klassen im Überblick

W0-I
Geringe Einwirkung. Typisch sind Wandflächen im Bad, die nur gelegentlich Spritzwasser abbekommen, etwa neben dem Waschtisch.
W1-I
Mäßige Einwirkung. Dazu zählen üblicherweise Wandflächen über der Badewanne und die Wände einer Dusche im privaten Bad.
W2-I
Hohe Einwirkung. Dazu gehören Böden in Räumen mit bodengleicher Dusche sowie Wand- und Bodenflächen in gewerblich genutzten Duschen.
W3-I
Sehr hohe Einwirkung, etwa in gewerblichen Nassräumen und im Umgang von Schwimmbädern.

Die Einstufung gehört in die Planung und nicht ins Bauchgefühl. Wir legen sie beim Aufmaß mit Ihnen fest, weil daran zwei Entscheidungen hängen: Ab W2-I ist ein feuchteunempfindlicher Untergrund gefordert, also zum Beispiel Beton, Zementestrich oder eine zementgebundene Bauplatte. Gipsgebundene Platten sind dort nicht zulässig. Und das Abdichtungssystem muss für die jeweilige Klasse geprüft sein.

03Wie der Aufbau in der Praxis aussieht

  1. Untergrund prüfen und vorbereiten. Er muss fest, sauber, trocken und eben genug sein. Was dabei gemessen wird, steht im Ratgeber zum Untergrund.
  2. Grundieren, passend zum Untergrund. Eine saugende Fläche braucht eine andere Grundierung als eine dichte.
  3. Dichtbänder in alle Innenecken, in den Übergang von Wand zu Boden und an Türanschlüsse einarbeiten. Dort bewegt sich das Bauwerk, dort reißt eine starre Schicht zuerst.
  4. Manschetten an jede Rohrdurchführung und an die Armaturenanschlüsse setzen.
  5. Die Fläche in zwei Arbeitsgängen abdichten, mit der Schichtdicke, die das System vorgibt.
  6. Trocknen lassen und prüfen. Erst danach kommt der erste Kleber auf die Fläche.
Duschwand aus abgedichteten Bauplatten, alle Stöße und Ecken sind mit Dichtband geschlossen
Wandfläche aus Bauplatten, Stöße und Ecken geschlossen.
Rohrdurchführungen in der Duschwand mit eingearbeiteten Manschetten und abgedichteten Stößen
Jede Durchführung bekommt ihre eigene Manschette.

04Die Fehler, die wir am häufigsten finden

Wir werden regelmäßig zu Bädern gerufen, die andere gebaut haben. Diese fünf Punkte kommen immer wieder:

  • Die Abdichtung endet, wo man sie nicht mehr sieht. Hinter der Badewanne, hinter der Vorwand, unter der Duschtasse. Genau dort läuft das Wasser hin.
  • Innenecken ohne Band. Die Dichtmasse allein überbrückt die Bewegung zwischen Wand und Boden nicht. Sie reißt in der Ecke auf, und zwar unsichtbar.
  • Rohrdurchführungen ohne Manschette. Ein Loch in der Abdichtung bleibt ein Loch, auch wenn Dichtmasse daneben liegt.
  • Falscher Untergrund für die Klasse. Gipsgebundene Platten im Duschbereich sind eine typische Abkürzung mit Ablaufdatum.
  • Silikon statt Abdichtung. Silikon ist eine Wartungsfuge, die regelmäßig erneuert wird, und kein Ersatz für eine Abdichtung. Mehr dazu im Ratgeber zu Silikonfugen.

Keiner dieser Fehler ist spektakulär. Teuer werden sie, weil der Schaden erst Jahre später sichtbar wird, und dann nicht an der Stelle, an der er entstanden ist.

05Woran Sie erkennen, dass sauber abgedichtet wurde

Als Laie können Sie die fertige Fläche nicht mehr beurteilen. Vorher schon:

  • Im Angebot stehen eigene Positionen für Abdichtung, Dichtbänder und Manschetten. Wer das unter „Fliesenarbeiten“ verschwinden lässt, rechnet es oft auch nicht.
  • Es gibt Fotos vom Bauablauf. Wir dokumentieren jede Abdichtung, bevor der erste Kleber darüber kommt.
  • Sie dürfen die Fläche sehen. Fragen Sie danach, bevor gefliest wird. Ein Betrieb, der sauber arbeitet, zeigt sie gern.

Kurz gesagt

Die Abdichtung ist die einzige Schicht im Bad, die sich später nicht mehr prüfen lässt, ohne sie zu zerstören. Gemessen am Gesamtpreis kostet sie wenig. Sie entscheidet aber darüber, ob alles darüber dauerhaft hält.

Fertige bodengleiche Dusche mit dunklen Fischgrätfliesen und beleuchteter Nische
Fertige Dusche aus dem eigenen Betrieb. Von der Arbeit darunter ist nichts mehr zu sehen, und genau so soll es sein.

Grundlagen dieses Beitrags: DIN 18534 „Abdichtung von Innenräumen“, Ausgabe Juli 2017 (Beuth Verlag), die Merkblätter des Fachverbands Fliesen und Naturstein zur Abdichtung im Verbund sowie die Systemangaben der von uns eingesetzten Hersteller. Welche Klasse und welches System für Ihr Bad gelten, legen wir im Aufmaß fest.

Häufige Fragen zur Abdichtung

Nicht ohne Rückbau. Die Abdichtung liegt unter dem Belag, also muss der Belag im betroffenen Bereich herunter. Bei einer Dusche ist das oft die ganze Nasszelle, weil die Anschlüsse rundherum mitgemacht werden müssen.

Deshalb ist der Zeitpunkt entscheidend: Beim Umbau kostet die Abdichtung einen Bruchteil. Nachträglich kostet sie den halben Raum.

Das hängt an der Einstufung der Flächen. In einem Raum mit bodengleicher Dusche wird üblicherweise der gesamte Boden der höheren Klasse zugeordnet, nicht nur das Feld unter der Brause. Wände außerhalb des Duschbereichs können dagegen in einer niedrigeren Klasse liegen.

Wir gehen die Flächen beim Aufmaß einzeln durch und halten im Angebot fest, was wie ausgeführt wird.

Auch dort gibt es Flächen mit Spritzwasser, etwa hinter dem Waschtisch. Die Anforderungen sind niedriger als in einer Dusche, aber „gar nichts“ ist selten richtig. Im Zweifel sehen wir uns den Raum an und sagen Ihnen, was nötig ist und was nicht.

Vorgefertigte Elemente können gut funktionieren, wenn sie zum System passen und nach Herstellervorgabe eingebaut werden. Entscheidend bleiben die Anschlüsse: der Übergang zum Boden, die Durchführung des Ablaufs und die Verbindung zur Wandabdichtung.

Die meisten Schäden, die wir sehen, entstehen nicht im Element selbst, sondern an seinem Rand.

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Beim Aufmaß sehen wir uns den Untergrund an, legen die Wassereinwirkungsklassen fest und schreiben die Abdichtung als eigene Position ins Angebot.